Seit in jedem Wohnzimmer ein Fernsehgerät steht, gibt es auch die Unterhaltungssendungen am Abend, bei denen die Volksmusik und die volkstümlichen Schlager eine wirklich große Rolle spielen. Denkt man kurz nach, fallen einem auch ohne ein ausgeprägtes Fandasein die großen Namen aus dieser Szene ein: Karl Moik und sein Kompagnon Hias samt Fernsehdackel Wastl – ein Dreiergespann, das im Musikantenstadl nicht nur flotte Musik präsentierte, sondern auch durch lustige Einlagen den Fernsehabend kurzweilig und abwechslungsreich gestalten konnte. Auftritte von Vico Torriani, Maria und Margot Hellwig und viele andere Stars spickten das Programm der Abende mit guter Laune. Heute leitet den Musikantenstadl der Sänger Andy Borg, fesch in einen Trachtenanzug gekleidet und charmant wie eh und je. Das Publikum in diesen Sendungen ist einen Blick wert: Vom Opa bis zum Kleinkind gibt es viele Menschen, die ihrer Neigung zu dieser besonderen Musik durch fesche Kleidung Nachdruck verleihen. 

Trachten und Volksmusik: Für alte Leute? Wer nun denkt, Volksmusik ist etwas für alte Leute, wird schnell vom Gegenteil überzeugt. Doch bevor überhaupt über die Fans der Volksmusik gesprochen werden kann, muss unterschieden werden, was genau die Volksmusik eigentlich ist. Die echte Volks- und Heimatmusik beschränkt sich auf ein Liedgut, das nur wenig mit der Kommerz-Musik aus dem Stadl-Mainstream zu tun hat. Heimatverbände pflegen diese Art Musik; sie wird kaum im TV zu sehen sein, außer in regionalen Sendeprogrammen. Weitaus beliebter ist die volkstümliche Unterhaltungsmusik, zu der beispielsweise die schwungvolle Oberkrainer-Richtung gehört. Ein Verfechter dieser flotten Lieder ist in einer Altersklasse zu finden, von der man eher Hip Hop oder Rap erwarten würde: Auf www.manuel-wagner.de überrascht ein Jugendlicher mit seiner Liebe zu seinem Akkordeon, zu anspruchsvoller, aber auch unterhaltsamer Musik aus dem Volksmusik-, volkstümlichen und hochmusikalischen Konzertbereich. Seine stetigen Begleiter sind dabei seine Harmonika und seine Lederhose – jung, fesch und aufstrebend präsentiert sich der Künstler wie selbstverständlich in seiner Tracht. Damit ist eigentlich der Gegenbeweis der Aussage, Trachten und Volksmusik wären nur für ältere Leute gedacht, erbracht. Dirndl, Lederhose und viel musikalisches Talent Gerade in Bayern und Österreich ist die Volksmusik ein Teil der Kultur – nicht wegzudenken aus dem Urlaubsprogramm, aber auch auf politischer Ebene gefördert. Viele Landkreise haben eigene Kulturbeauftragte, die sich nicht nur um den Erhalt heimatlicher Messen und alter Lieder kümmern, sondern die sich auch Mühe geben, die heimische Kultur der Jugend nahezubringen. Jugendarbeit ist sehr wichtig, wenn es um die Volksmusik geht – was die Kinder und Jugendlichen nicht kennen, können sie nicht verinnerlichen. Ein Instrument zu lernen: Das ist eine Aufgabe. Doch die Liebe und Begeisterung zur Musik zu erwecken, das geht nur in der täglichen Praxis. Ein Beweis dafür, dass sich die Arbeit mit den Jugendlichen – aber natürlich auch für die fleißigen kleinen Talente – lohnt, ist der Zwieseler Fink (www.zwieseler-fink.de),  ein Volksmusik Wettbewerb, bei dem Stubenmusi, Dreigesang und andere Disziplinen in verschiedenen Altersklassen gegeneinander antreten. Schmucke Dirndl, urige Lederhosen und dazu musikalische Höchstgenüsse für die Fans der heimatlichen Musik: Da lebt das Brauchtum mitten in der brausenden Moderne zwischen Computer und Rush-Hour. Trachten auf der Live-Bühne Musik spielt sich nicht nur im Radio und Fernsehen ab, sondern natürlich auch auf der Bühne. Live ist die volkstümliche Musik ein Stimmungsgarant, der vom beschwingten Walzer über bayrische Polkas bis hin zu fetzigen Drehern reichen kann – beim Tanzen finden sich heute in den Regionen, in denen die bayrische und österreichische Unterhaltungsmusik beliebt ist, junge Menschen in Trachten ein. Wenn beispielsweise die drei Jungs von Se Zwe & Er – siehe dazu www.sezweunder.de zum Tanz aufspielen, tauschen sie nicht nur selbst ausgebeulte Jeanshosen und T-Shirts gegen „Lederwix“ (das bayerische Wort für Lederhose) und „Leiberl“ (die Trachtenweste), sondern auch die Tänzer aller Generationen. Das Tanzparkett glüht an diesen Abenden förmlich – wie sich das gehört, wenn es bayrisch-zünftig ist.

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