Musik ist entspannend, lustig, macht romantische Stimmung oder Feierlaune. Sie kann aber auch für Frust sorgen, wie viele von Fingerübungen auf dem nachbarschaftlichen Klavier ein gar nicht schönes Lied singen können. Klar, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, das weiß jeder. Aber muss die verstimmte Geige gerade in der Wohnung nebenan gequält werden? Bis jemand so virtuos spielen kann, wie etwa Vanessa Mae, vergehen sicherlich Jahre – und die sind voller Tonleitern in allen Duren und Molltonarten, aber natürlich zunächst niemals fehlerfrei. Da kann Nachbarschaft wirklich zu einer Feindschaft ausarten – vor allem, wenn sich die Übungen gerade in die Zeit verlegen, in der jemand nach einer Nachtschicht schlafen will oder einen Säugling zum Schlafen hinlegen wollte – der aber ob des Gekratzes auf der Violine partout nicht einschlafen will. Als Mieter oder auch Eigenheim- oder Eigentumswohnungsbesitzer hat man aber meistens nicht viel mehr als zwei Möglichkeiten: Aushalten, bis die Talentsuche im nachbarschaftlichen Elternhaus entweder von Erfolg gekrönt oder aufgrund mangelnden Erfolges beendet wird – oder umziehen. Mancher geplagter Nachbar nimmt es mit Humor und denkt sich, eine Wohngemeinschaft, bestehend aus lauter Rockmusikern wäre sicherlich schlimmer zu ertragen. Auch schöne Musik kann Nachbarn stören Kleidung, Autos, Musik: alles Geschmacksfragen. Also kann es durchaus auch vorkommen, dass zwei Nachbarn sich in Sachen Musikgeschmack nicht grün sind und das Verhältnis der beiden dadurch belastet wird. Grind Core im Erdgeschoss, Beethoven eine Etage höher – vielleicht mag der Klassikfan seine Musik auch etwas lauter – am Vormittag, wenn der Nachbar noch schläft? Man könnte dahinter aber auch die Rache für die laute und für den anderen „unzumutbare“ Musik bis drei Uhr in der Früh vermuten – trotz Klingelns und der Bitte um nächtliche Ruhe wurde die Party beendet, bevor endlich Ruhe in dem Mehrfamilienhaus einkehren konnte. Grind Core und Klassik sind zwei Extreme, die nur selten gemeinsame Fans finden dürften – wie sollen sich ein Ludwig van Beethoven und Napalm Death (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Napalm_Death) auch miteinander vereinbaren lassen? Genervt voneinander, zusätzlich belastet vom Generationenkonflikt, eskaliert die Lage zwischen beiden Mietparteien so sehr, dass letztendlich des Öfteren die Polizei wegen Ruhestörung auflaufen wird und die beiden Streithähne sicher mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann vor Gericht landen, weil die Situation aus dem Ruder gelaufen ist. Wie aber schon erwähnt, muss es keine Musik aus der Metal Szene sein, die den Konflikt auslöst – es reicht die Blockflöte eines Grundschülers, um die Mitmenschen an den Rand des Wahnsinns zu treiben. Musik als Ruhestörung Man mag nun denken, in oben beschriebenem Fall ist der Klassik-Hörer derjenige, der vor dem Richter den besseren Eindruck macht – denn Grind Core sieht man seinen Fans meistens auch an. Doch es ist keinesfalls zu pauschalisieren, wann Musik Ruhestörung ist und wann man sie zu ertragen hat. Definitiv einzuhalten sind in jeder Wohnung die gesetzlichen Ruhezeiten. Nach 22 Uhr am Abend und bis zum Morgen um 6 Uhr ist die Musik leise zu halten, also höchstens auf Zimmerlautstärke erlaubt. Das führt aber zu Problemen, wie die Unterhaltung auf www.gutefrage.net erläutert: Hier ist nicht die Lautstärke der nachbarschaftlichen Musik das Problem, sondern der Bass, der sich in der anderen Wohnung deutlich bemerkbar macht. Die Ruhezeiten gelten übrigens auch und vor allem für den Sonntag. Wie aber sieht es aus, wenn gerade am Sonntag die drei Kinder des Nachbarn Zeit finden, nacheinander ihre Übungen auf der Geige, am Klavier und mit dem Akkordeon zu machen? Ist man gleich kinderfeindlich, wenn man seinen Sonntag in Ruhe genießen möchte – und falsche Töne gehören nun einmal nicht zu dem, was man als Genuss bezeichnet. Genau diese Bezeichnung könnte man aber von den Eltern der Nachbarkinder bekommen, denn diese sind meistens sehr stolz auf die fleißig übenden Kinder. Fühlt sich ein Nachbar durch Musik aus der Wohnung der Nachbarn gestört, sollte er auf jeden Fall zunächst freundlich, aber bestimmt seinen Standpunkt klarmachen und bitten, dass die Übungsstunden oder die laute Musik in Zeiten der Abwesenheit verlegt werden oder zumindest am Sonntag und in der Nacht unterbleiben sollen. Vielleicht findet man auch ohne Streit und Gerichte das gewünschte Gehör?

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